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Donnerstag, 30.03.2017
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Woll-Meise

HNA vom 08.12.2006: Expertin für Wolle und Handarbeiten: Über 50 Jahre hat Margarete Meise (rechts) ihr Geschäft geführt, viele Jahre mithilfe ihrer Tochter Giesela Engel (links). Nun verabschiedet sie sich von ihren Kunden. (Foto: Ellen Schwaab)
Das Geschäft in der Friedrich-Ebert-Straße 147
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Über 50 Jahre war der Wollladen von Margarete Meise eine Institution im Stadtteil. Insgesamt sechs mal ist sie im Vorderen Westen mit ihrem Geschäft umgezogen, 1955 hatte sie zusammen mit ihrem Mann einen Kiosk an der Friedrich-Ebert-Straße / Ecke Annastraße eröffnet, später ist ihr Geschäft umgezogen in die Wilhelmshöher Allee 96, die Friedrich-Ebert-Straße 130 am Bebelplatz, dann Dörnbergstraße 12 und zuletzt in der Friedrich-Ebert-Straße 147.
 
Anne-Kathrin Ströber schrieb in der HNA vom 15. November 1991 in einem Artikel mit der Überschrift „Herrin über zigtausend Wollknäuel“ über den Laden:
 
Der Laden – ein Sammelsurium aus Kurzwaren aller Art, Schlafanzüge, Knöpfe, Strümpfe, Strickgarne, Mützen, selbstgehäkelte Westen, bunte Pullover, gestrickte Decken und, bis unter die Decke, bunte Wolle aller Schattierungen. Aber wer glaubt, die Inhaberin verlöre auch nur einen Augenblick lang den Überblick, der täuscht sich. „Ich weiß immer auf hundert Gramm genau, wie viel ich wovon liegen habe. Und wann ich was aus dem Lager holen muß", versichert Margarete Meise stolz, „auch bei ganz versteckten Sorten.“ (…)
Auch hier am Bebelplatz ist Meises Laden mehr Treffpunkt als Kaufladen. „Von vielen Kunden weiß ich seit 30 Jahren alles, aber auch alles aus der Familiengeschichte“, erzählt Margarete Meise, die niemals die Geduld verliert – beim Zuhören nicht, und nicht beim Beraten.
 
Ellen Schwaab schrieb in der HNA vom 08. Dezember 2006 über die bevorstehende Schließung des Geschäfts:
 
West. In ein paar Tagen wird sie 90. Höchste Zeit für den Ruhestand. Über 50 Jahre hat Margarete Meise ihren Wollladen im Vorderen Westen geführt, nun hört sie auf. Doch auch wenn das Geschäft am Jahresende schließt, will Margarete Meise ihren Kunden treu bleiben. Mit Handarbeitsnachmittagen, an denen sie ihr Wissen weitergibt. Denn die Kunden sind ihr in all den Jahren ebenfalls treu geblieben, auch wenn sie mit ihrem Vorrat an Wolle, Kurzwaren, Pullis und Unterwäsche siebenmal im Stadtteil umgezogen ist. "Ich habe eine ganz anhängliche Kundschaft", sagt die rüstige alte Dame. Dafür ist sie dankbar. Kein Wunder, dass sie von manchen Familien vier Generationen kennen gelernt hat. "Ich habe eine ganz anhängliche Kundschaft."
 
Margarete Meise kann sich noch gut an die Anfänge in einem Kiosk an der Friedrich-Ebert-Straße/Ecke Annastraße erinnern. Sie hat damals ihr Hobby zum Beruf gemacht und mit einem bescheidenen Startkapital von umgerechnet 250 Euro das Geschäft aufgebaut. Darauf ist sie noch heute stolz. Als Zehnjährige strickte sie ihren ersten Pullover für die Schwester. Als eine der Ersten konnte sie mit dem damals neuen Strickapparat umgehen. Ihr Können sprach sich schnell herum. Bis heute ist Margarete Meise in Handarbeitsfragen eine Instanz. "Am Anfang gab’s nur Sportwolle", erinnert sie sich, "kein Mohair, keine Seide, kein Angora." Als diese Wollsorten später auf den Markt kamen, griff sie sofort zu. "Ich wollte immer das Schönste als Erste haben", sagt sie. "Das haben die Kunden geschätzt."
 
Die Auswahl ist noch immer groß. Wolle, Näh- und Stickgarn, Knöpfe, Reißverschlüsse, Nadeln - der Laden ist ein Paradies für alle, die gerne handarbeiten. Früher voll bis unter die Decke, macht sich nun der Abschied bemerkbar. Die Galerie, auf der sie Handarbeitskurse geben hat, ist schon so gut wie leer. Tochter Christa Engel, die viele Jahre mit im Geschäft war, hat mit dem Ausräumen begonnen.
 
Auch wenn sie bald nicht mehr im Laden steht - die Hände in den Schoß legen will Margarete Meise nicht. "Ich habe viele Hobbys", sagt sie. An erster Stelle steht natürlich das Handarbeiten. Sie entwirft gern neue Modelle und mag es, wenn die Wohnung schön und behaglich ist. Da findet sie immer etwas zu tun. Zum täglichen Programm gehören auch Gymnastik, Wechselduschen und Massagen. "Ich tue viel für meine Gesundheit", sagt sie. Ihre blauen Augen leuchten, und ihre Hände sind fast noch so flink wie früher. Meises Handarbeiten, Wolle, Kurzwaren, Friedrich-Ebert-Straße 147, schließt am 29. Dezember.
 
Margarete Meise starb am 19. August 2007 im Alter von über 90 Jahren.

[letzte Aktualisierung: 03.01.2017]