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Montag, 17.12.2018
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Friedrich Wilhelm Murnau

Friedrich Wilhelm Murnau
 
(* 28. Dezember 1888 in Bielefeld / Ostwestfalen, † 11. März 1931 in Santa Barbara, Kalifornien; eigentlich Friedrich Wilhelm Plumpe) war ein deutscher Filmregisseur.
 
 
 
 
 

Murnau im Vorderen Westen

Elfbuchenstraße 4: Gedenktafel
 
Von 1898 bis 1902 lebt Murnau in dem Haus Elfbuchenstraße 4. An dem Haus ist eine Gedenktafel angebracht.
 
Murnau besuchte die damalige Oberrealschule, die heutige Albert-Schweitzer-Schule.
 
Gerüchte besagen, dass das Relief am Haus sein späteres Filmschaffen beeinflusst haben soll.
 
 
Haus Elfbuchenstraße 4
Relief unterhalb des Erkers
 
 

Leben und Werk

 
Friedrich Wilhelm Plumpe wächst in einer wohlhabenden Bürgerfamilie auf; der Vater ist Tuchfabrikant, die Mutter war Lehrerin. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Kassel, wohin die Familie umgezogen ist, beginnt er ein Studium der Philologie und Kunstgeschichte in Berlin und Heidelberg. Dort wird bei einer Studentenaufführung der berühmte Regisseur Max Reinhardt auf ihn aufmerksam. Reinhardt ermöglicht ihm den Besuch der Max-Reinhardt- Schauspielschule und beschäftigt ihn als Schauspieler und Regieassistent. Plumpe nimmt den Künstlernamen Friedrich Wilhelm Murnau (nach dem Ort Murnau am Staffelsee) an. Zu seinen Künstlerfreunden gehören unter anderem die Autorin Else Lasker-Schüler und die expressionistischen Maler der Gruppe Der blaue Reiter.
 
Am 1. Weltkrieg nimmt er als Leutnant im 1. Garderegiment zu Fuß und ab 1917 als Kampfflieger teil, bis er (ob nun absichtlich oder durch einen Navigationsfehler) auf dem Gebiet der neutralen Schweiz landet, wo er zunächst in Andermatt interniert wird, aber nach dem Gewinn eines Inszenierungswettbewerbs für das patriotische Schauspiel Marignano am Luzerner Theater arbeiten kann.
Die Kriegserlebnisse sind für Murnau wie für viele seiner Generation prägend; sein damaliger Lebensgefährte fällt an der Ostfront. In Filmen wie Nosferatu wirkt für einige Kritiker noch das Grauen des Krieges nach.
 
Max Schreck als Graf Orlok im Film " Nosferatu, eine Symphonie des Grauens"
 
1919 kehrt er nach Berlin zurück und beginnt für den Film zu arbeiten. Sein erster Spielfilm, Der Knabe in Blau, ist heute, wie auch einige seiner späteren Filme, verschollen. Mit dem Film Der Bucklige und die Tänzerin beginnt eine höchst fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Drehbuchautor Carl Mayer, der in der Folge noch für sechs weitere Filme Murnaus die Bücher schreibt. Andere Künstler, mit denen Murnau bevorzugt zusammenarbeitete, sind die Drehbuchautorin Thea von Harbou, der Kameramann Karl Hoffmann und der Schauspieler Conrad Veidt. Sein berühmtester Film aus dieser Zeit ist Nosferatu, eine Symphonie des Grauens von 1922 mit Max Schreck in der Titelrolle, eine Verfilmung von Bram Stokers Dracula, die aber aufgrund von Lizenzproblemen umbenannt werden musste.
 
Der Erfolg seiner Filme bringt Murnau einen Vertrag bei der UFA ein, für die er 1924 als erstes den Film Der letzte Mann inszeniert, in dem Emil Jannings einen Hotelportier verkörpert, der zum Toilettenmann degradiert wird und daran zerbricht. Die in diesem Film von Murnau und dem Kameramann Karl Freund verwendete „entfesselte“ oder auch „fliegende“ Kamera befreite die Kamera von ihrer Statik und ermöglichte völlig neue Perspektiven (um z.B. den Rauch einer Zigarette zu verfolgen, schnallte Freund die Kamera an eine Feuerwehrleiter und bewegte diese). Ferner führte Murnau in diesem Film die „subjektive Kamera“ ein, die das Geschehen mit den Augen einer handelnden Person wiedergibt. Murnaus Fähigkeit, mit rein filmischen Mitteln eine Geschichte zu erzählen, zeigt sich auch darin, dass er in diesem Film fast ganz auf Zwischentitel verzichten konnte, was für die Stummfilmzeit höchst ungewöhnlich ist. Die Reihe seiner in Deutschland geschaffenen Filme schließt Murnau 1926 mit Tartüff (nach Molière) und Faust - eine deutsche Volkssage ab.
 
 
Murnaus Erfolge in Deutschland und vor allem die amerikanische Fassung seines Der letzte Mann im Jahre 1925 haben Hollywood auf ihn aufmerksam gemacht. Murnau erhält ein Vertragsangebot des amerikanischen Produzenten William Fox, der ihm volle künstlerische Freiheit zusichert. Sein erster in den USA inszenierter Film Sunrise nach der Erzählung Die Reise nach Tilsit von Hermann Sudermann gewinnt bei der allerersten Oscar-Verleihung 1927 drei Oscars, erfüllt jedoch die kommerziellen Erwartungen nicht ganz. Aus diesem Grunde und wegen der zunehmend schwieriger werdenden wirtschaftlichen Situation der Firma Fox und der Lage in Hollywood an der Schwelle zum Tonfilm, muss Murnau bei seinen folgenden Filmen zunehmend Eingriffe in sein künstlerisches Konzept hinnehmen; bei dem Film Our Daily Bread wird er sogar als Regisseur abgelöst und ohne seinen Einfluss wurde eine nachträgliche Tonfassung hergestellt.
 
Von den Zwängen Hollywoods enttäuscht, kündigt Murnau 1929 den Vertrag mit Fox. Nach einem ergebnislosen Versuch, wieder in Berlin mit der UFA ins Geschäft zu kommen, kauft er sich eine Segelyacht, fest entschlossen, seinen nächsten Film allein nach seinen eigenen Vorstellungen zu realisieren, und fährt nach Tahiti, um dort mit dem Regisseur und Dokumentarfilmer Robert J. Flaherty den Film Tabu zu drehen. Während der Dreharbeiten gab es erhebliche Schwierigkeiten mit der die Drehkosten finanzierenden Filmmaterial-Firma. Schließlich trennt sich Murnau von Flaherty, der stärkere Dokumentarfilmambitionen hatte, und produziert den Film auf eigene Kosten. Der auf der Insel Bora Bora ausschließlich mit einheimischen Laiendarstellern gedrehte Film wird zu einer stilbildenden Mischung aus Dokumentation und Melodram. Der Vertrieb des von Murnau selbst finanzierten Films, für den er sein gesamtes Vermögen aufgewendet und sich hoch verschuldet hatte, wird von der Firma Paramount übernommen, die von dem Film so beeindruckt ist, dass sie Murnau einen Zehnjahresvertrag anbietet.
Die Premiere des Films am 1. August 1931 erlebt Murnau jedoch nicht mehr. Am 11. März 1931 kurz vor einer Europa-Promotion-Tour Murnaus, verliert sein Freund die Gewalt über ihr Auto, auf der Küstenstraße von Santa Monika, und prallt frontal mit einem Lkw zusammen. Murnau stirbt wenige Stunden später an seinen Verletzungen.
Sein Leichnam wird nach Deutschland überführt und auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf bei Berlin beigesetzt. Carl Mayer und der Regisseur Fritz Lang halten die Grabreden. Zu den Trauergästen zählen u.a. Robert J. Flaherty, Emil Jannings, Erich Pommer und Georg Wilhelm Pabst.
Friedrich Wilhelm Murnau gilt als einer der bedeutendsten Regisseure der Stummfilmära. Sein vom Expressionismus beeinflusstes Schaffen, seine psychologische Bildführung eröffnete durch die damals revolutionäre Kamera- und Montagearbeit völlig neue filmische Möglichkeiten.
 
Filmografie
  • 1919 Der Knabe in Blau - verschollen
  • 1919 Satanas - Fragment
  • 1920 Der Bucklige und die Tänzerin - verschollen
  • 1920 Der Januskopf - verschollen
  • 1920 Abend - Nacht - Morgen - verschollen
  • 1920 Sehnsucht - verschollen
  • 1920 Der Gang in die Nacht
  • 1921 Schloß Vogelöd
  • 1922 Marizza, genannt die Schmugglermadonna - verschollen
  • 1922 Der brennende Acker
  • 1922 Nosferatu, eine Symphonie des Grauens
  • 1922 Phantom
  • 1923 Die Austreibung - verschollen
  • 1924 Die Finanzen des Großherzogs
  • 1924 Der letzte Mann
  • 1926 Tartüff
  • 1926 Faust - eine deutsche Volkssage
  • 1927 Sunrise - A Song of Two Humans
  • 1928 Four Devils - verschollen
  • 1930 City Girl (Our daily Bread)
  • 1931 Tabu

Literatur
  • Hans Helmut Prinzler (Hrsg.): Friedrich Wilhelm Murnau - ein Melancholiker des Films. Bertz, Berlin 2003. ISBN 3-929470-25-X
  • Luciano Berriatúa: Los proverbios chinos de F. W. Murnau. Filmoteca Española. Instituto de las Artes Audiovisuales, Madrid 1990-92. ISBN 84-86877-06-7
  • Lotte H. Eisner: Murnau. Kommunales Kino, Frankfurt am Main 1979.
  • Klaus Kreimeier (Red.): Friedrich Wilhelm Murnau 1888-1988. Bielefelder Verlagsanstalt, Bielefeld 1988. ISBN 3-87073-034-X
 
 
Links
 
Quellen
 
Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel "Friedrich Wilhelm Murnau" (Stand: 30.12.2005) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
 
[letzte Aktualisierung: 29.06.2016]