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Mittwoch, 19.12.2018
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Das Finanzgebäude

Das Finanzgebäude Wilhelmshöher Allee im Rohbau - parallel dazu werden die Häuser 64 und 66 abgerissen. (Stadtmuseum)
Luftbild nach dem Abriss der beiden Häuser, aber noch vor dem Abriss des Murhard’schen Hauses. Links oben die alte Kreuzkirche. (Stadtmuseum)
Das Gebäude in der Nutzung der amerikanischen Militärregierung nach dem Zweiten Weltkrieg. (Stadtmuseum)

Zeugnis nationalsozialistischer Stadtplanung

 
 
Nach nur 14 Monaten Bauarbeit eröffnete am 3. April 1939 das Finanzamt Kassel-Außenbezirk an der Wilhelmshöher Allee 64-66 für den Publikumsverkehr. Das Gebäude, damals als schlicht, aber dennoch eindrucksvoll gepriesen, war weit hinter die Straßenflucht zurückgesetzt worden. Beginn und Ausdruck einer Umgestaltung des Wilhelmsplatzes im Rahmen der nationalsozialistischen Umgestaltung der Gauhauptstadt, insbesondere der Wilhelmshöher Allee. Für den Neubau ließ man zuerst einmal die Häuser 64 und 66 abbrechen, während das Murhard'sche Haus zunächst aus Pietät noch verschont wurde, 1939 jedoch das gleiche Schicksal erlitt.
Der Bau bot nach dem Weltkrieg, den er ohne wesentliche Schäden überstand, Raum für die amerikanische Besatzungsmacht, zuletzt ihre Kriminal- und Militärpolizei, die belgische Militärbehörde und einen deutsch-amerikanischen Kindergarten, die „Nursery-School“.
Erst 1972 zogen  die Behörden aus, nicht ohne dass Vorsorge getroffen worden war, Hausbesetzungen, wie sie bei der Räumung der Belgiersiedlung ein Jahr vorher stattgefunden hatten, vorzubeugen. Der Kindergarten durfte zunächst in dem Gebäude verweilen, allerdings nur solange sich keine neue Unterkunft finden ließ, was auch für das Rote Kreuz galt, das das Gebäude im Zusammenhang des Katastrophenschutzes nutzte. 1976 erhielt der Bau ein zusätzliches Geschoss, das Dachgeschoss wurde ausgebaut. Neben dem „Generalkommando“  und dem Graf-Bernadotte-Platz legt er Zeugnis ab von den stadtplanerischen und architektonischen Vorstellungen der Nationalsozialisten.
Als "Behördenhaus" ist das Gebäude jüngst im Auftrag des Landes Hessen zur Unterbringung der "Bildungsverwaltung Kassel" saniert worden.
 
 
Plan zur Umgestaltung des Wilhelmsplatzes aus nationalsozialistischer Zeit. Das ehemalige Platzrund ist verschwunden. An der Wilhelmshöher Allee als Prachtstraße soll ein großer viereckiger Platz entstehen. (Stadtmuseum)
Planzeichnung für ein monumentales Tor zum Wilhelmsplatz.
 
aus: Wolfgang Matthäus (Hg.), Plätze im Vorderen Westen. Geschichte(n) eines Kasseler Stadtteils, Kassel 2010 (Schriften der Werkstatt Geschichte an der Albert-Schweitzer-Schule Kassel  Heft 8)
 
Literatur:
Lücken-Isberner, Folckert: Von der Gauhauptstadtplanung zur Gigantonomie in Trümmern, in: Leben in Ruinen, S. 173ff.
Leben in Ruinen. Kassel 1943-1948, bearb. von Christina Coers-Dittmar und Alexander Link, Marburg 1993
Wiegand, Thomas: Kulturdenkmäler in Hessen. Stadt Kassel II. Vorderer Westen Südstadt Auefeld Wehlheiden, hrg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 2005
 
 
[letzte Aktualisierung: 15.10.2016]