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Mittwoch, 19.12.2018
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Reichskriegertage

 
Im Nationalsozialismus erhielt Kassel den „Ehrentitel“ „Stadt der Reichskriegertage“. Solche Tage wurden seit 1925 veranstaltet und zwar vom Kyffhäuserbund, der Dachorganisation der seit dem 19. Jahrhundert bestehenden lokalen und regionalen Vereinigungen ehemaliger Soldaten. Sie erfüllten zum einen soziale Aufgaben (z. B. in der Hilfe für Kriegsversehrte), pflegten zum anderen militaristische und – solange diese bestand – monarchistische Traditionen. In der Weimarer Republik bildete der formell unpolitische Kyffhäuserbund einen fruchtbaren Boden für die Verherrlichung des Ersten Weltkriegs und die Verbreitung der Dolchstoßlegende sowie der behaupteten Kriegsschuldlüge. Letztlich war er stramm rechts orientiert. 1933 schaltete er sich selbst gleich, um dann aber zunächst in die SA und später in die SS eigegliedert und zum "NS-Reichskriegerbund" zu werden.
 
 
Bau der Tribüne auf dem Kaiserplatz (Stadtmuseum)
Klassenzimmer zur Beherbung von Gästen
Vor dem Generalkommando 1937 (Stadtmuseum)
Erstmalig sollte ein Reichskriegertag 1934 in Kassel stattfinden. Die Vorbereitungen waren getroffen, als er wegen des sog. „Röhm-Putsches“ (mit seinem Massenmord im staatlichen Auftrag) abgesagt wurde. Im Vorderen Westen gehörte zu diesen Vorbereitungen der Bau einer 200m langen Tribüne auf dem Kaiserplatz (Goethestraße), der eine Reihe von Bäumen und ein Opens internal link in current windowMusikpavillon zum Opfer fielen.
Der Besucheranstrom der Veteranen aus ganz Deutschland war enorm und soll die Zahl der Kasseler mitunter verdoppelt haben. 1937 war Himmler, 1939 Hitler zu Gast. Um diese Besuchermassen zu bewältigen, waren alle Kasseler aufgerufen, mindestens einen Gast bei sich zu beherbergen. Als Unterkünfte dienten vor allem auch Schulen, in deren Klassenräume Strohlager und Feldbetten Einzug hielten. Fotos aus dem Archiv der Albert-Schweitzer-Schule dokumentieren, wie die ehemaligen Soldaten hier empfangen wurden.
Reichskriegertage fanden 1935, 1936 und 1937 statt. 1938 fielen sie wegen des „Anschlusses“ Österreichs aus. Nach den Annexionen durch Deutschland gab es 1939 einen Großdeutschen Reichskriegertag, im Krieg gab es keine solchen Veranstaltungen mehr.
Im Zentrum der Reichskriegertage mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm standen vor allem Paraden, so auch vor dem Generalkommando im Vorderen Westen.
 
Literatur:
Bettina Dodenhoeft, "Kassel rüstet" - Reichskriegertage in Kassel, in: Kassel in der Moderne. hg. von Jens Flemming und Dietrid Krause-Vilmar, Marburg 2013
[letzte Aktualisierung: 30.10.2016]